Zwischen Diagnosen und Tränen: Mein Weg durch schwere Zeiten Teil 1

Lange habe ich überlegt, wie ich den ersten Beitrag für das Jahr 2025 beginnen könnte. Besonders schwer fiel mir die Wahl einer Überschrift, die die letzten acht Monate treffend beschreibt. Denn seit Oktober wurde diese Zeit leider immer wieder von schlechten Nachrichten überschattet.
Zwei Worte drängen sich dabei immer wieder in meinen Gedanken auf:
DIAGNOSEN und TRÄNEN.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich so lange nichts mehr geschrieben habe: Das ständige Auf- und Verarbeiten wurde mir einfach zu viel. Wohin nur mit all den Gefühlen, die sich wie eine riesige Flutwelle auftürmen und irgendwann entladen wollen – ja, müssen? Auch jetzt laufen mir wieder unzählige Tränen über das Gesicht, während ich diese Worte tippe. Es tut einfach nur so verdammt weh, mir die letzten Monate und Wochen noch einmal vor Augen zu führen. Mir fällt es unglaublich schwer, all das jetzt niederzuschreiben.
Doch wahrscheinlich kann nur so seelische Heilung, und wirkliche Verarbeitung stattfinden. Denn jedes weitere ausgesprochene oder niedergeschriebene Wort sorgt für mehr Klarheit – und für das Akzeptieren der Tatsachen.
Zumindest ist es ein kläglicher Versuch, wieder etwas mehr Ordnung in meine Gedanken zu bringen. Denn aktuell fühle ich mich mehr als verloren.

Meine letzten Worte im Blogeintrag vom September 2024 waren:

„…ich bin sehr gespannt was die letzten wenigen Monate noch so an Erlebnissen bereithalten.“

Jetzt im Rückblick bereue ich diesen Satz fast – vielleicht habe ich damit sogar das „Universum“ herausgefordert. Wer weiß …
Seit Oktober ist das Leben jedenfalls wieder mal sehr turbulent und nicht mehr wie vorher.

Im Oktober machten wir einen kurzen Familienbesuch in Bayern. Auf dem Heimweg legten wir einen kurzen Abstecher ein, um meinen Hund von seinem Sommerdomizil bei meinem Vater abzuholen, wo er während unseres Schwedenurlaubs ein paar Wochen geblieben war.
Wenige Tage nach unserer Rückkehr fühlten wir uns sehr schlecht – schließlich stellte sich heraus, dass wir uns erstmals mit Corona infiziert hatten. Während dieser Zeit bemerkte ich bei meinem Hund (10 J.) seltsame Knubbel, konnte jedoch wegen meines eigenen Gesundheitszustands zunächst nicht handeln. Sobald es mir wieder besser ging, ließ ich die auffälligen Stellen operativ entfernen und zur Untersuchung einschicken. Ende Oktober kam dann die niederschmetternde Diagnose: Es handelte sich um einen bösartigen Mastzelltumor. Diese Schocknachricht erfuhr ich ausgerechnet über den Anrufbeantworter. Ich war verständlicherweise total geschockt. Selbst die Tierarztpraxis hatte nicht mit so einem Befund gerechnet und erwähnte den Eingriff eher noch scherzhaft als kosmetische Behandlung. Nach der Tumorop, stellte ich daraufhin zwei weitere kleinere Knubbel fest. Die damals von der Tierärztin augenscheinlich als harmlos bewertet wurden. Ich behielt diese Stellen aber im Hinterkopf. Nach der OP und dem ernüchternden Befund fragte ich die Tierärztin, was ich machen könnte, um es einzugrenzen ob der Tumor gestreut hat oder nicht. Daraufhin sagten die Tierärzte der Praxis: „Was haben Sie davon, wenn sie es wissen?“. Ich fühlte mich völlig vor den Kopf gestoßen und forderte wenigstens einen Laborbefund an. Der sich glücklicherweise als unauffällig herausstellte.

Im November machte uns unser Kater große Sorgen. Der erste Verdacht bezog sich auf Harnsteine. Und sie gaben ihm Schmerzmittel. Er baute immer mehr ab. Die Tierärztin war ratlos und fand keine richtige Ursache, so dass wir erstmal nur auf Verdacht behandeln konnten.

Ende November musste bei meinem Vater ganz plötzlich und völlig unerwartet ein mehrfacher Bypass gelegt werden. Obwohl er völlig symptomfrei war – also eher ein Zufallsbefund und das sogenannte Glück im Unglück. Es folgten bange Wochen voller Ungewissheit, die mit vielen Ängsten verbunden waren. Die schönen Erinnerungen aus dem Sommerurlaub in Schweden wurden plötzlich grau, und aus Entspannung wurde immer mehr Anspannung. Zum Glück verlief die Operation ohne Komplikationen, sodass er wie geplant mit seiner Rehabilitation im Dezember beginnen konnte.

Anfang Dezember fraß unser Kater plötzlich immer weniger und zog sich zurück. Kurzzeitig besserte sich sein Zustand, doch dann fraß er noch weniger, und sein Kot wurde auffällig. Trotz mehrerer Tierarztbesuche, Labor und Ultraschall (Verdacht auf Gastritis) sowie Behandlung mit Antibiotika, Schmerzmitteln und Kortison, blieb die Ursache unklar. Egal, für welche Therapie, oder für welche Untersuchungsmethode wir uns entschieden, es war immer das falsche – und wir konnten ihm nicht helfen.
Das Weihnachtsfest war überschattet von tausend Gedanken, doch unsere geliebten Fellkinder waren bei uns. Wie viele gemeinsame Feste würden wir als Rudel wohl noch erleben? Bis zu diesem Zeitpunkt durfte ich bereits zehn bzw. elf Jahre mit ihnen Weihnachten feiern. Keiner von uns ahnte, dass ein endgültiger Abschied immer näher rückte. An Silvester hatten wir noch Hoffnung und hätten wirklich alles versucht. Wir verbarrikadierten uns mit all unseren Tieren in unserer Wohnung, um ihnen eine halbwegs gesicherte Atmosphäre während der Silvesternacht zu geben. Es war eine intensive Zeit, sehr intim und doch so voller Traurigkeit und Schwere.

Anfang Januar entschieden wir uns eine andere Tierarztpraxis aufzusuchen, weil wir die Fehleinschätzungen leid waren.
Erst eine Zweitmeinung am 3. Januar brachte durch Röntgen die Diagnose: schwere Herzerkrankung (HCM) mit Lungenödem und vermutlich ein Tumor im Magen-Darm-Trakt. Die Tierärztin teilte uns diese niederschmetternde Diagnose mit – voller Mitgefühl und Verständnis für unser Entsetzen. „Die Nacht wird kritisch sein“, sagte sie leise. Wir waren wie gelähmt, fassungslos und am Boden zerstört. Fast die ganze Nacht verbrachten wir an der Seite unseres geliebten Seelenkaters, hielten ihn und verabschiedeten uns Stück für Stück von ihm. In diesen stillen, kostbaren Stunden schenkten wir uns gegenseitig Trost und Nähe. Schweren Herzens entschieden wir uns gemeinsam in der Nacht, unserem Liebling weiteres unnötiges Leid zu ersparen, und wandten uns am nächsten Morgen an die Tierarztpraxis. Er schenkte uns noch diesen einen letzten Morgen – einen Moment voller Liebe und Dankbarkeit, den wir für immer in unseren Herzen tragen werden.
Leider bekamen wir erst einen Termin am Mittag. Einerseits schenkte uns das noch ein wenig mehr gemeinsame Zeit, doch zugleich war es eine Qual, diese Entscheidung so lange hinauszögern zu müssen. Der frühe, dunkle Morgenhimmel wich nur zögerlich dem Licht, und jede Minute bis zur Mittagsstunde schien sich endlos zu dehnen. Das Warten wurde zu einer schweren Last, während wir versuchten, die letzten kostbaren Augenblicke festzuhalten, obwohl der Abschied unausweichlich näher rückte. Er genoss noch sehr die Wärme vom Kamin und verfolgte das Vogelgezwitscher. Er spielte zaghaft mit letzter Kraft auf dem Tisch mit seinem geliebten Haargummi.
Und plötzlich mussten wir ihm aus dieser scheinbaren „Idylle“ herausreißen und fuhren zur Praxis … Seinen Blick im Auto werde ich nie vergessen …
Wir blieben bei ihm bis zum letzten Atemzug.

Über Leben und Tod zu entscheiden – insbesondere bei jemandem, der absolut nicht mitreden kann – gehört zu den schwersten und verantwortungsvollsten Aufgaben, vor die ein Mensch gestellt werden kann. Egal ob bei Mensch oder Tier! Für mich war es das allererste Mal.

Jedes Mal, wenn ich diesen Moment wieder ins Bewusstsein hole, bekomme ich eine Gänsehaut und meine Augen füllen sich unweigerlich mit Tränen.

Mein geliebtes Fellrudel war von Beginn an, an meiner Seite als ich erwerbsgemindert geschrieben wurde. Nun wurde einer aus unserer Mitte gerissen.

Die Nacht und der darauffolgende Morgen waren besonders hart. Es fehlte einfach jemand ganz Wichtiges in unserem Leben. Unser Rudel hatte sich von einem Tag auf den anderen verkleinert – das war die bittere Realität. Meine Gedanken kreisten unaufhörlich, und immer wieder prasselten innerliche Vorwürfe auf mich ein. Im Kopf war es so laut, doch die wenigen Worte, die herauskamen, waren kaum mehr als ein Flüstern.
„Haben wir die richtige Entscheidung getroffen?“
Heute kann ich diese Frage mit einem selbstbewussten „Ja“ beantworten.

Anton, unser geliebter Kater, war immer präsent, fordernd, aktiv und neugierig – ein ständiger Begleiter in der Wohnung, wirklich auf Schritt und Tritt. Plötzlich sind die vertrauten Geräusche verstummt, und seine liebevolle aber auch anstrengende Präsenz fehlt nun schmerzlich. Er war eine Persönlichkeit, eine herzensgute Seele und es tat so verdammt weh, ihn so plötzlich leiden zu sehen, er hat so gekämpft.
Sein Schnurren war so voll … fast minütlich warf er seinen Motor an und jetzt hinterlässt seine Abwesenheit eine bedrückende Stille. Es war sprichwörtlich totenstill bei uns. Diese Stille spürte man nicht nur in unserer Familie, sondern auch bei seiner Schwester und sogar bei unserem Hund. Jeder von uns verarbeitete dieses Erlebnis auf seine eigene Art, nichts war mehr wie vorher. Bei keinem von uns!

Wie startet man nach dem anstrengenden Jahr 2024 zuversichtlich und energiegeladen ins neue Jahr 2025? Wir hatten darauf keine Antwort – also machten wir einfach weiter. Irgendwie geht es schließlich immer weiter.

Mitte Januar stellte ich meinen Hund in der neuen Praxis vor, da ich zu der anderen Praxis absolut kein Vertrauen mehr hatte. Ich schilderte die Ereignisse und die Praxis punktierte die kleineren Knubbel. Leider ergab der Befund wieder Tumorzellen. Aufgrund der Ergebnisse wurden ein Röntgenbild und eine Sonografie veranlasst.
Da sich in dem Moment keine Metastasierung zeigte, entschied ich mich für eine zweite Tumoroperation. Die er gut überstanden hat. Das ständige Hoffen und Bangen schlauchte uns enorm.

Seitdem bekommt er regelmäßig einmal im Monat eine Arthrosespritze und darf nur noch eine Fleischsorte fressen, da er alles andere nicht mehr verträgt. Besonders schlimm ist das für ihn, weil er früher so gerne Obst und Gemüse als Zwischensnack gefressen hat. Wie viel Zeit uns noch bleibt, weiß ich nicht – die Tumore könnten längst gestreut haben. Sollte es so weit kommen, weiß ich jedoch, was zu tun ist. Aktuell genießt er noch sein Leben, für mich zumindest deutlich erkennbar, wenn auch nicht mehr so wie im Jahr 2024.

Die Praxis teilte uns außerdem mit, dass auch Antons Schwester unbedingt untersucht werden muss. Da seine Erkrankung genetisch bedingt war, besteht auch bei ihr eine große Wahrscheinlichkeit, betroffen zu sein. Sowohl das Röntgenbild als auch die Laborwerte deuten bereits auf eine entsprechende Veranlagung hin. Deshalb wurde uns geraten, uns an eine spezialisierte Praxis für Katzenkardiologie zu wenden – die nächste niederschmetternde Nachricht.

Wie kann es sein, dass man innerhalb weniger Monate plötzlich so sehr um das Wohl seiner gesamten tierischen Familienmitglieder bangen muss? Vor allem: Wohin nur mit all diesen Gefühlen, den bohrenden Fragen und dieser auffressenden Verzweiflung und weiterhin dieser tiefen Trauer.
Mittlerweile hat dieser spezielle Herzultraschall stattgefunden. Und es gibt derzeit Entwarnung. Kontrolle in einem Jahr. Wir sind total erleichtert und glücklich. Es besteht zwar die Möglichkeit eines Risikofaktors, aber aktuell sieht es nicht so aus. Und sie gilt zum aktuellen Zeitpunkt als herzgesund. Jetzt werden demnächst nur noch ihre Zähne hübsch gemacht und dann ist hoffentlich lange Ruhe von solchen Tierarztpraxen, bis auf die üblichen Termine.

Seit Oktober waren wir schon über zwanzig Mal beim Tierarzt! Das zehrt nicht nur an unseren Seelen und Körpern, sondern lässt auch den Geldbeutel erheblich schrumpfen. Am meisten hat mich jedoch eine bittere Erkenntnis schockiert: Die letzte Rechnung – für das Beenden eines Lebens – war die günstigste von allen. Es ist so traurig, wie wenig ein Tierleben in Wahrheit offenbar wert ist. Gleichzeitig ist es aber auch gut, dass sich fast jeder diesen Eingriff leisten kann, um seinem Tier unnötiges Leid zu ersparen. Ambivalente Gefühle.

Es mag sein, dass manche Menschen meine Worte und meinen Schmerz nicht nachvollziehen können, weil es „nur“ um Tiere geht. Doch wer wirklich liebt, macht keinen Unterschied zwischen Mensch und Tier. Für echte Liebe spielt es keine Rolle, ob sie einem Menschen oder einem Tier gilt – sie ist immer gleich tief und aufrichtig. Für viele sind Tiere einfach nur Begleiter, für mich jedoch sind sie Familienmitglieder, Seelentröster und Freunde. Ihr Verlust schmerzt genauso wie der eines geliebten Menschen. Wer das erlebt hat, weiß, dass Liebe keine Grenzen kennt – weder in der Art noch in der Intensität.

Allerdings die schlechten Nachrichten rissen nicht ab.

Was dann geschah, erfahrt ihr im nächsten Blogeintrag.

Zwischen Diagnosen und Tränen: Mein Weg durch schwere Zeiten – Teil 2

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